Praxis für Beratung, Sozialtherapie und Coaching

Elternvereinbarung

So sehr wir uns aber auch wünschen, unsere Liebesbeziehung möge unser ganzes Leben lang dauern so genau sehen wir aber auch, dass es oft doch nicht gehen will.

Weil von einer Trennung häufig Kinder betroffen sind und weil es dann sehr, sehr stark von den beiden Eltern abhängt, ob die Kinder damit gut weiter leben können oder eine sehr bedenkliche Entwicklung nehmen habe ich die "Elternvereinbarung" entwickelt.

Sie ist für Menschen gedacht, die ein Kind bekommen oder haben und die noch nicht an eine Trennung denken. (Wenn Sie bereits dabei sind, sich zu trennen lesen Sie bitte den letzten Absatz der Seite.)

Ich gebe hier konkrete Hinweise zum Inhalt einer solchen Vereinbarung, aber ich stelle kein ausgearbeitetes Muster zur Verfügung. Der Sinn eines solchen Vertrages besteht nicht im Abschreiben einer Vorlage sondern darin, dass Sie beide sich genau überlegen, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen wollen, dass Sie beide sich gemeinsam Gedanken zur eventuellen Anwendung machen.

Der Kerngedanke dieses Vertrages liegt darin, dass es für Ihr Kind -im Gegensatz zu Ihnen selbst- keinen EXVATER und keine EXMUTTER gibt. Und genau diese Mutter bzw. diesen Vater haben SIE für Ihr Kind ausgesucht. Bitte machen Sie sich das in aller Deutlichkeit klar. Indem Sie sich von der Mutter bzw. dem Vater des Kindes trennen übernehmen Sie eine neue Verantwortung. Nämlich die, alles in Ihrer Macht stehende zu tun, dass die Beziehung des Kindes zum jeweils anderen Elternteil so wenig wie möglich beeinträchtigt wird. Es liegt auch an Ihnen, dass die "andere" Verbindung sich gut weiter-entwickeln kann. Aus diesem Kerngedanken ergibt sich die Hauptforderung des Vertrages, nämlich sich weiterhin über die Erziehung und das Wohlergehen des Kindes in Ruhe, regelmäßig und konstruktiv zu beraten.

Der Vertrag sollte einen allgemeinen und einen konkreten Teil beinhalten.

Der allgemeine Teil könnte vielleicht so aussehen:

Derzeit sind wir ein Ehe- und Liebespaar und hoffen, dass wir das noch lange bleiben. Trotzdem können wir nicht ausschließen, dass wir uns einmal trennen werden. In diesem Fall wollen wir trotzdem -oder gerade deswegen- für unser Kind auch dann gute Eltern sein. Wir uns haben uns jetzt gerne und wollen das Schöne, was wir einmal aneinander hatten auch nach einer Trennung nicht zu vergessen. Das Positive daraus soll für unser Kind auch in der Zeit danach gelten.

Wir gehen davon aus, dass unser Kind nicht an dem Scheitern unserer Beziehung schuldig ist und bis zu seinem Erwachsensein und bis zum Ende seiner Ausbildung beide Eltern braucht und auch einen Anspruch auf unser beider Zuneigung, Zeit, Geld und Unterstützung hat.

Weil wir wissen, dass bei Trennungen sehr oft Kinder bewusst oder unbewusst als Machtmittel, Pfand, Spitzel, Aggressionsobjekt usw. benutzt werden wollen wir jetzt vorsorglich für den Fall unserer Trennung Modalitäten festlegen, die uns vor schädlichen Verhaltensweisen für unser Kind -und damit auch für uns selbst- bewahren sollen.

Konkrete Vereinbarungen sollten zu folgenden Punkten getroffen werden:

  1. Vereinbaren Sie regelmäßige Treffen zwischen sich, aber ohne das Kind
  2. Sinn dieser Treffen ist es, daß Sie beide sich darüber unterhalten was Sie für die gedeihliche Entwicklung Ihres gemeinsamen Kindes tun können
  3. Wie könnten Sie sicher stellen, dass diese Arbeitstreffen positiv verlaufen
  4. Wie wollen und können Sie Ihr Kind in Entscheidungen mit einbeziehen.
  5. Sie sollten sich versprechen, den anderen Elternteil nicht vor dem Kind herabzuwürdigen.
  6. Geschenke und Erziehungsverhalten nicht als Bestechung verwenden.
  7. Das Kind nicht als Mittel zur Verletzung des anderen Elternteils missbrauchen.
  8. Die Gestaltung von Besuchen des Kindes/nicht erziehenden Elternteils.
  9. Die Gestaltung von Unterhaltszahlungen.
  10. Wir wenden auf gar keinen Fall körperliche Gewalt gegeneinander an.
  11. Wird es schwierig, holen wir uns Unterstützung von anderer Seite.
  12. Das persönliche Leben des ehemaligen Partners geht uns nichts mehr an.
  13. Was tun wir, wenn der andere Elternteil weit weg zieht.

...usw .

Der Vertrag kann dann mit vielleicht mit folgendem Schlusssatz enden:

Wir schließen diesen Vertrag in dem Bewusstsein, dass seine Einhaltung vielleicht nicht immer leicht sein wird, dass er aber unserem Kind und uns selbst zu einem zufriedenstellenderen Leben und persönlichem Wachstum verhelfen wird.

Danach machen Sie zwei Kopien und unterschreiben beide alle Exemplare.

Der Vertrag funktioniert bei Menschen, die tatsächlich das Beste für ihr Kind wollen und in einer vermutlich schwierigen Trennungssituation sich zwar alles mögliche erlauben und sich daneben benehmen werden, die aber trotzdem sicherstellen wollen, dass sie den Ärger mit dem Partner, der Partnerin nicht zu sehr auf das Kind übertragen.

So ein Vertrag funktioniert, weil

  • Er eine Leitlinie ist, die mit guten Erinnerungen einhergeht .
  • Er eine Leitlinie ist, an die man sich selbst halten kann.
  • Er eine Leitlinie ist, an den man den Partner/die Partnerin erinnern kann.
  • Man feststellen kann, dass er die Situation erleichtert.
  • Er hilft, die Achtung vor sich selbst zu behalten.
  • Weil man zufrieden sein kann, dass man die Aufgabe des Mutterseins und des Vaterseins trotz Trennung weiterhin gut wahrnehmen kann

Sie beide können so einen Vertrag alleine oder mit einer Person Ihres Vertrauens ausarbeiten oder sich auch meiner Hilfe dazu bedienen.

Wenn Sie bereits in der Situation der Trennung sind können Sie immer noch einen entsprechenden Vertrag zusammen formulieren. Er muss dann in bezug auf die Eltern etwas anders aussehen und es ist sicher ein schwierigeres Unterfangen. Verlassen Sie sich dabei bitte nicht einfach auf juristischen Beistand. Ihre Gefühle und die Erziehung Ihres Kindes sind ganz sicher kein Justizproblem. Wenn Sie zu zweit nicht mehr gut miteinander über Ihr Kind sprechen können, dann nehmen Sie bitte die Unterstützung einer Scheidungsberatung oder sonstigen Mediation in Anspruch.

Wenn Sie Fragen haben, dann mailen Sie uns: coaching-sozialtherapie-hagen@t-online.de
Oder rufen Sie uns unter der Nummer 0841 / 88 17 330 an!